לשנה הבאה בירושלים 01.11.2017 – Elfter Tag/Abreise 

L’Shana Haba’ah B’Yerushalayim  – Nächstes Jahr in Jerusalem!

Ein Ausspruch des jüdischen Volkes an Pessah und Yom Kippur für die Errichtung eines neuen – Dritten Tempels.

Für die Gruppe hieß es am Abend des 31.10.17 Abschied nehmen. Einige fuhren am nächsten Tag zurück nach Deutschland, andere genießen noch ein paar schöne Tage in Tel Aviv, bevor sie das graue Wetter in Deutschland wieder einholt.

Ich für meinen Teil bleibe noch ein wenig in Israel und werde auch vor Ende des Jahres noch einmal in meine Wahlheimat zurückkehren. Inzwischen hatte ich Zeit die Reise gedanklich rückblickend zu betrachten und denke das wir alle stolz sein können – es war eine gelungene Reise. Es gab viele Eindrücke, viele Augenblicke, an denen man sich selbst zurücknehmen musste, um eine andere Sicht, eine andere Perspektive zuzulassen. Ich denke, den meisten der Reiseteilnehmenden gelang dies sehr gut. Es gab lustige und schöne Momente und Augenblicke von Trauer und Fassungslosigkeit.

Dennoch gehen die meisten Teilnehmenden wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück nach Deutschland und sind wohl, so die Aussagen von einigen, verwirrter als zu vor. 🙂

Auch für mich ist es das Ende der ersten Israelreise mit der GEW-NRW und ich bin gespannt auf die nächste, aber auch auf andere Projekte hier in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens.

 

Die Ausschreibung für 2018 steht schon. Ich freue mich darauf!

von Julia

https://www.gew-nrw.de/fortbildungen/fortbildung/seminar/Seminartime/detail/israel-entdecken-bildungsreise-in-den-herbstferien-2018-1.html

 

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31.10.2017 – Zehnter Tag – Jerusalem/Westjordanland – Bericht II

Die Westbank – unser letzter Programmtag…

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Schon zwiespältige Eindrücke bei der Einfahrt in das Westjordanland .. Zäune, Mauern, Kontrollpunkt… Sperrgebiet…. „State of Palästine“ auf dem Grenzschild… Rote Schilder, die Israelis vor der Einreise ins Palästinensergebiet warnen.

 

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Rahel konnte uns nicht begleiten, da die Einreise für israelische Juden in der Westbank schwierig ist und sie nicht versichert sind.

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Unser pälastinensischer Führer – Kamal, ein christlicher Palästinenser – gibt uns Einblicke in das Leben, die Bevölkerung und in die Arbeitsbedingungen in der Westbank.

Für ihn gehören Mauern und Siedlungen jüdischer Israelis zum Alltag in der Westbank. Hier einige Schlaglichter:

  • Seit 1993 dürfen Palästinenser aus dem Westjordanland nicht nach Jerusalem einreisen.
  • Die Zahl der Siedler ist nach seinen Aussagen von ehemals 160.000 auf heute 600.000 Siedler angestiegen.
  • Die Arbeitssituation in der Westbank ist schwierig. Etwa 30 % der Menschen sind ohne Arbeit, 60 % der Bevölkerung ist unter 18 Jahren.

 

Diejenigen, die in Israel arbeiten – nach seinen Angaben sind es etwa 70.000 bis 80.000 Palästinenser mit legaler Arbeitserlaubnis  und nochmal 30.000- 40.0000 Ilegale –  stehen um 4 Uhr morgens am Checkpoint 300 an, werden kontrolliert und können – je nach Entscheidung des Postens – einreisen oder auch nicht. Trotzdem ist es ein Traum für jeden dort zu stehen, da es in Israel Arbeit gibt mit deutlich besserer Bezahlung – etwa 3 mal soviel wie in der Westbank. Viele von ihnen arbeiten als Bauarbeiter…. Deshalb der kursierende Spruch: „Wir haben Israel gebaut“.

Für ihn hat Israel zwei Gesichter… das beschriebene negative, aber wie er persönlich erlebte  auch ein im Einzelfall humanitäres bei der Behandlung seiner Tochter im Krankenhaus in Tel Aviv.

Kamal erzählte noch über die Bedeutung der Olivenbäume im Nahen Osten. Er meint, durch den Bau der Mauer seien über 1.000.0000 Olivenbäume zerstört worden. Aufgrund ihrer langen Lebenszeit gelten sie als Pflanzen für die Kinder. Normalerweise sind Olivenbäume der Garant dafür, Land zu behalten. Denn wenn Land 15 Jahre nicht bearbeitet würde, verlöre man den Anspruch auf sein Land.

 

Doch nun zur palästinensischen Universität….

deren Wahlspruch ist: Building a better Palestinian Future….

 

Bir Zait – Ort nördlich von Ramallah und Name der gleichnamigen Universität bedeutet bezeichnender Weise Ölbrunnen oder Ölzisterne.

Mein erster Eindruck: viele Frauen, ohne oder mit Kopftuch, wenige mit Tschador (Ganzkörpereinhüllung). Männer und Frauen sind selten gemeinsam zu sehen. Angenehme Atmosphäre. Die Gebäude in besserem Zustand als viele Universitäten bei uns und scheinen auch sehr gut ausgestattet zu sein ( Bibliotheken, Museum, Observatorium, Theater, Sportplätze, Cafeterien).

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Hier nun einige Daten zur Universität:

  • 14.000 Studenten und Studentinnen
  • etwa 70 % Studentinnen
  • 8 Fakultäten
  • gelehrt wird Education, Art, Social Science, Palestine Arabic Studies und noch mehr

Die Studenten kommen aus Gaza, Nablis, Hebron, Jerusalem. Sie wohnen nicht auf dem Campus sondern in den umliegenden Ortschaften.

Auf die Vorträge von einer Vertreterin der Uni, einer politisch aktiven Studentin und einem Professor möchte ich verzichten. Viel Information, im Netz nachzulesen. Ich wäre lieber über den Campus gegangen und hätte zufällige Gespräche bevorzugt.

Die angespannte Situation in Israel auch hier wieder deutlich wurde. Beschwerden über die Behinderung der freien Lehre, zensierte historische Bücher, verbotene Bücher aus dem Libanon, fehlende Materialien für die Chemie und Biologie, keine freie Wahl der Universitäten, klare Positionierung gegen den Staat Israel.

Es war das, was uns die ganze Reise begleitet hat. Die anscheinend unüberbrückbaren Differenzen, begründet darin, dass jede Gruppe mit der Sicht auf eine 2000jährigen Geschichte ihren Anspruch historisch begründet. Juden, Muslime, Christen… es bleibt in diesem Punkt für mich eine große Ratlosigkeit.

 

Es gibt keine Wege,

Wege entstehen im Gehen.

Altes mexikanisches Sprichwort

 

von Monika N.

31.10.2017 – Zehnter Tag – Jerusalem/Westjordanland – Bericht I

Birzeit und EXTAL – Abschied in Jerusalem 

Auf der Fahrt nach Ramallah hat uns Gunther eine kleine Geschichte von Stefan Heym vorgelesen: „Immer sind die Frauen weg“. War schön gewesen.

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Am Kontrollpunkt an der „Grünen Linie“ haben wir unseren palästinensischen Reiseführer aufgenommen.

Ich habe den Mann kaum oder gar nicht verstanden.

Thema 1 andeutungsweise: aussichtslose Lage der Palästinenser wegen israelischer Besetzung.

Thema 2: Familiengeschichte.

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Dann Besuch der Uni Birzeit. Die Beschreibung dieses Besuchs übernahm eine Co-Bloggerin.

Mein Eindruck war ein positiver wegen der vielen studierenden Jugendlichen, die sich, bis auf viele Kopftücher, von unseren nur wenig unterschieden.

 

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Kurze Mittagspause mit Essen, Eisschlecken im Gehen.

Weiterfahrt und Verabschiedung unseres Reiseführers.

 

 

 

Nächster Tagesordnungspunkt:

Besuch einer Aluminiumfabrik: EXTAL.

Wir wurden vom Deutsch sprechenden Schweizer Daniel B. liebevoll in Empfang genommen. Nach einer Sicherheitsbelehrung at er uns die Firma vorgestellt. Die Firma hat 280 Angestellte, davon 180 Palästinenser. Diese stammen meist aus Jericho oder anderen Ortschaften der Autonomie bzw. des Westjordanlandes.

Da die Firma, wie es auch eine israelische Gesetztesentscheidung vorsieht, alle gleichbehandelt werden, gibt es, nach Daniels Äußerung keinerlei Probleme im Umgang miteinander – auch während der beiden Intifadas nicht.

Bei Arbeitsunfällen bezahlt die Firma die Behandlung in Israel, da die palästinensische Krankenversicherung nicht zahlt. Transport von und zur Arbeit erfolgt mit Firmenbussen. Die Firma stellt Aluminiumprofile für hauptsächlich Fenster und Türen her. Es gibt eine Zusammenarbeit mit einer Stuttgarter Firma. Der Export in die EU wird durch eine Steuer (Einfuhr) erschwert, weil die Firma einige hundert Meter außerhalb der „Grünen Linie“ liegt, und es mit dieser Zone kein Zollabkommen mit der EU gibt.

Der BREXIT wirft seine Schatten voraus. Jetzt freue ich mich auf einen letzten Abend in Jerusalem.

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von Friedhelm

 

30.10.2017 – Neunter Tag – Jerusalem – Bericht II

Montag, 30.Oktober, nachmittags, die Altstadt von Jerusalem

Der Beginn war genau richtig: Wir aßen im österreichischen Hospiz zu Mittag. Pizza darf man selbstverständlich auch im k.u.k. Ambiente essen, während Kaiser Franz Joseph und Gattin Sisi von der Wand in den Garten herüberschauen. Auch wenn die Melange in Jerusalem anders serviert wird als in Wien, haben einige Kolleginnen den Wiener Apfelstrudel genossen.

Der Blick von der Dachterrasse des Gebäudes zu den erklärenden Worten von Rahel verschaffte einen ersten Überblick über die Dächer und Türme, Giebel und Kuppeln. Hier in der Altstadt ist wohl die höchste Dichte von Moscheen, Synagogen und Kirchen weltweit.

In der Grabeskirche wurde ich zusammen mit anderen Besucher*innen von einem Ordner, der sofort in jeder miese beleumdeten Disko als Türsteher anfangen könnte, vertrieben. Nachdem er den Weg von uns freigeräumt hatte, kamen Franziskaner, die ein kurzes zehnminütiges Gebet, umrahmt von gregorianischen Gesängen, verrichteten. Die orthodoxen Abteilungen der Grabeskirche habe ich mir erspart.

Mich hat sehr erstaunt und berührt, wie sich in dem Trubel in der Kirche, der sich kaum von dem im Basar unterschied, viele Menschen an der Steinplatte niederließen, auf der angeblich Jesu Leichnam gesalbt worden war. Diese Menschen versanken in Kontemplation vor dieser Platte.

Ausgrabungen an der Klagemauer, der Westmauer des 70 nach u. Z. zerstörten zweiten Tempels:

Hier hat nun jeder Stein, ob sichtbar oder (noch) unsichtbar, eine religiöse und emotionale, politische und historische Bedeutung. Daraus leiten sich heutige, heftig umkämpfte Ansprüche auf Raum und Ort des Handelns und des Gedenkens von Muslimen, Juden (und Christen) ab. Das Gehen auf den Steinen war schon beeindruckend. Bevor es zu beeindruckend wurde, war Rahels Hinweis wohltuend ernüchternd. Er lautete, dass die heriodianische Straße unter dem heutigen Straßenniveau liegt. Wir gingen dort, wo vor ca. 800 Jahren nur die Kreuzritter wandelten.

Ich füge, nach Deutschland zurückgekehrt, ein Zitat an, das ich erst jetzt gefunden habe und das Vieles erklärt:

„Den Juden war sie [die Klagemauer] heilig als letzter verbliebener Rest des Tempels; die Muslime sahen in ihr die äußere Umfassung des ,heiligen Bezirks‘ […], an der Muhammed auf seiner nächtlichen Himmelfahrt der Legende nach sein Reittier Buraq angebunden hatte […] Man wird die folgenden Ereignisse [gemeint sind Unruhen in Jerusalem und Palästina in den Jahren 1928 und 1929] kaum verstehen, wenn man sich nicht vor Augen führt, daß über Jahrhunderte lediglich eine gut 3 m breite Gasse den so sensiblen Ort  von den angrenzenden Häusern trennte. Nur so werden Berichte glaubhaft, wonach die Bewohner des Moghrabi-Viertels ihren Müll an die Klagemauer warfen – ein Glied mehr in der Kette der Darstellungen, die die Verwahrlosung des heiligen Tempelareals und dessen Reinigung von Müll und Abfall schildern, die bis in die Zeit der muslimischen Eroberung zurückreichen. Der freie Platz vor der Klagemauer wurde erst 1967 geschaffen, als die Israelis nach der Eroberung der Jerusalemer Altstadt das Moghrabi-Viertel […] abrissen. Alles bewegte sich somit auf engstem Raum, was die Spannungen unweigerlich erhöhte.“

(Gudrun Krämer, Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israels, München (C.H.Beck Verlag 6. Aufl. 2015, S. 262f.)

Die Auslassungen und Erläuterungen […] sind von mir.

von Hans-Werner

30.10.17 – Neunter Tag – Jerusalem – Bericht I

Besuch der Schmidt-Schule und die jüdischen Jungenschule Pelech Banim in Pat

 

Nach neun Tagen Sonnenschein machen wir uns am Montagmorgen bei bewölktem Himmel auf den Weg zur Schmidt-Schule. Die private christliche Mädchenschule liegt in Ostjerusalem, nicht unweit der Altstadt. Die Schule wurde 1886 unter der Leitung des Konvents der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus eingerichtet. 1890 übernahm der deutsche Lazaristenpater Friedrich Wilhelm Schmidt die administrative Leitung der Schule, für die er bis heute als Namensgeber steht.

In der Schmidt-Schule werden heute ca. 580 Mädchen unterrichtet, 85% der Schülerinnen haben einen muslimischen Hintergrund, 15% sind christlich. Die Unterrichtssprachen in der deutschen Auslandschule sind neben Deutsch auch Englisch und Arabisch. Insgesamt arbeiten dort ca. 50 Lehrkräfte, neben den acht deutschen Lehrerinnen und Lehrern hauptsächlich palästinische Kolleginnen und Kollegen.

Begrüßt werden wir an der alten Eingangstür zur Schule von Dr. Eva Schönemann, die erst seit 10 Wochen die Leitung der Schule übernommen hat. In einer offenen Gesprächsrunde erläutert sie uns den grundlegenden Aufbau und die Arbeitsweise der Schule, wobei sie auch auf Schwierigkeiten und Probleme im Schulalltag eingeht. Die Schmidt-Schule bietet den Schülerinnen zwei Schulzweige zur Erreichung eines Abschlusses, dem deutschen Abitur oder einem vergleichbaren palästinensischen Abschluss. Dementsprechend muss sich die Schule nach dem deutschen, palästinensischen, aber auch dem israelischen Lehrplan richten, was kein leichtes Unterfangen sei, so Schönemann. Auch bei Schulausflügen und Schulaustausch-programmen müsse man immer wieder auf die sensiblen politischen Gegebenheiten reagieren. So könne es zum Beispiel für palästinensische Kinder die Schwierigkeiten bei einer Ausreise geben. Die interessanten und prägenden Erfahrungen, welche die Schülerinnen während eines deutschen Austauschs haben, schildern uns sechs Mädchen der Klasse 11 des palästinischen Schulzweigs. Erfreut über die unverhoffte Störung ihres Physik-Unterrichts erzählen sie uns in gut verständlichem Deutsch über ihren Austausch in Freiburg und ihre Zukunftspläne und –wünsche.

Nach einer kurzen Fahrt mit dem Bus in den Stadtteil Pat erreichen wir die jüdische Jungenschule Pelech Banim, an deren Eingang uns der Schulleiter Shalom Weil begrüßt. Er führt uns in die Synagoge der Schule, in der die Schüler und Lehrer sich drei Mal am Tag zum Gebet versammeln.

Shalom erklärt uns, dass die Schüler sich zwar an allgemeine religiöse Regeln halten müssen, dazu gehöre neben dem dreitäglichen Gebet auch das Tragen der Kippa, die innere Haltung der Schüler zur Religion jedoch nicht überprüfbar sei und damit in der Verantwortung jedes Einzelnen liege. Konzeptionell beschreibt er die Schule als modern-orthodox, Unterrichtssprachen sind Hebräisch und Englisch.

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von Kerstin

29.10.2017 – Achter Tag – Jerusalem – Bericht II

Yad Vashem

 

Heute bin ich dran mit dem Blog. Es geht mir gar nicht gut; nicht nur, weil ich mit entsetzlichen Kopfschmerzen aufgewacht bin.

Was wird auf mich zukommen?

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Warum habe ich mich eigentlich ausgerechnet heute für den Blog eingetragen? Schon in Deutschland hieß es: „Das wird heftig!“

Nun versuche ich Worte für das Unaussprechliche, das Unfassbare, das nicht zu Verstehende zu finden; es genügt nicht.
Was soll ich schreiben? Es rauchen Worte, Wortfetzen auf wie:

 

Enge – Weite

Licht – Luft

Hoffnungslosigkeit

atmen

leben

zu Hause / kein Zuhause

Entwürdigung

Entmenschlichung

Hoffnung

Was bleibt haften? Was nehme ich mit? Exemplarisch stehen für mich zwei Bilder/Eindrücke, die mir am meisten „unter die Haut“ gegangen sind und mich sofort weinen lassen:

Die abgeschnittenen Zöpfe eines Mädchens und draußen vor dem Museum ein (deutsches) Mädchen, neben dem ich sitze, das nicht aufhören kann zu weinen sowie die (erfolglosen) Versuche der Mutter, es zu trösten.

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Auf den Kaffeebechern in der Cafeteria des Museums steht: „Enjoy the moment“. Ich halte es kaum aus, doch diese Menschenmasse holen mich in diese Realität und diese Welt zurück.IMG_4340

IMG_6851Aber überein bekomme ich die verschiedenen Realitäten nicht.

Meine Gefühle schwanken zwischen verzweifelt, ratlos und der Hoffnung, bei unseren Schülern immer zu so viel Kritikfähigkeit und Bewusstsein zu erreichen und zu wecken, dass sie jedweden radikalen Tendenzen frühzeitig kritisch gegenüberstehen und entsprechend handeln.

 

Um 14 Uhr sind wir zur Besichtigung/Führung in die Knesset gefahren. Am Eingang gibt es gleich eine heftige Irritation: Ulli und Fritz dürfen nicht mit uns hinein: ihre Hosen sind nicht lang genug; so kurz finde ich ihre Hosen nun nicht. Dafür finde ich es schade, dass sie nicht dabei sind, wo ich doch ihre trockenen und erfrischenden Kommentare so mag.

Eigentlich möchte ich allein sein, möchte den Vormittag in Yad Vashem verarbeiten. Ich schaue auf Gisela; hoffentlich schreibt sie mit.

Unser Guide spricht ziemlich monoton und sehr schnell; ich merke, wie ich mich immer wieder zusammenreißen muss.

Ich bin beeindruckt vom Gedanken der Transparenz, der immer wieder auftaucht. Auch nehme ich die drei großen Wandteppiche von Chagall mit, die ich sehr passend fand in ihrer Dreiteilung: Gegenwart – Vergangenheit – Zukunft.

Schön fand ich am Ende des Tages noch den Spaziergang über den jüdischen Markt, der mich wieder im „Hier und Jetzt“ ankommen ließ mit viel Geschäftigkeit, Farben, Gerüchen, tollen Gewürzen und ganz viel Leben.

 

von Ulrike

29.10.2017 – Achter Tag – Jerusalem – Bericht I

Yad Vashem

Den Blog-Eintrag zu Yad Vashem zu schreiben, empfinde ich als große Herausforderung. Wie sollte ich die Komplexität dieses Themas zusammenfassen?

Wie konnte ich Worte für Gräueltaten finden, wofür es keine Sprache gibt: Die Vernichtung von 6 Millionen Juden, die Shoah, eine anonyme Gruppe, die in Yad Vashem personalisiert wird, wo jedem einzelnen Opfer gedacht wird, somit seine Würde und Identität zurückgegeben wird.

Yad Vashem hatte ich bereits vor 35 Jahren einmal besucht, im Rahmen von ASF, als Vorbereitung für meinen freiwilligen Dienst in Israel. Ich weiß noch wie heute, dass wir damals als Gruppe kein Wort gesprochen hatten, aus Angst davor, als Deutsche aufzufallen. Wie erleichtert war ich, dass wir Kopfhörer bekamen – ich fühle mich immer noch schuldig für das, was die Nazis den Juden angetan haben, obwohl meine Eltern damals noch viel zu jung für den Krieg waren.

Aber was war mit meinem Opa?

Er hat immerhin zwei Weltkriege überlebt. Auch ich konnte ihn nicht mehr befragen, weil ich noch zu klein war als er starb.

Der Name Yad Vashem stammt aus der Bibel; Jesaja Kapitel 56- Vers 5:

„Ich werde ihnen in meinem Namen ein Denkmal geben.“

Die Architektur dieses Denkmals spiegelt die Geschichte der Shoah wider: Wir werden unter die Erde geführt, die Wände sind aus Beton, die Gänge werde immer enger– die engste Stelle teht für die Wannseekonferenz, nach der Befreiung von Nazi-Deutschland geht es wieder hinauf ans Licht. Das Museumsgebäude hängt in der Luft – das Schicksal der Juden ist ungewiss, sowohl in den Konzentrationslagern als auch nach der Befreiung.

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Die Shoah weist keine Chronologie auf diese passiert parallel zum Kriegsgeschehen. Die Juden lebten in einem parallelen Universum.

¼ der Opfer waren Kindern. Ihnen ist eine eigne Gedenkstätte gewidmet. In eine dunklem Raum werden fünf Kerzen gespiegelt und es werden ihre Namen genannt. Dort hindurchzuschreiten, sich vorzutasten begleitet von einem Klagegesang war für mich der Moment, der mich am meiste bewegt hat, auch hierfür gibt es keine Worte, ein Mensch kann doch keinen anderen Menschen und schon gar nicht ein Kind so etwas antun.

Was waren das für Bestien, die Menschen wie Ungeziefer behandelte, nur wie sie einen anderen Glauben hatten?

Wie konnten Menschen, die auch Familie, Frauen und Kinder hatten, andere Familien in Ghettos einsperren, verhungern lassen, um die Noch-Überlebenden später im Konzentrationslager zu bringen, um sie dort zu vernichten?

Es gab nur wenige „Gerechte unter den Völkern“. An diejenige, welche den Juden geholfen haben, wird in Yad Vashem mit einer Allee der Gerechten gedacht. Eine der ersten Bäume, die gepflanzt wurden, war der Baum von Oskar Schindler, der auch in Jerusalem beerdigt wurde.IMG_3315

Ayeka Adam? Wo warst du Adam – Mensch als der Nächste deine Hilfe benötigte?

Es erfüllt mich mit Hoffnung, dass das israelische Volk, trotz der Shoah, seinen Glauben an das Gute im Menschen und an G-tt nicht verloren hat.

Dies zeigt sich für mich auch in der Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948:

IMG_4350Es wurde ein jüdisch-demokratischer Staat gegründet, mit dem Ziel in friedlicher Koexistenz mit den Nachbarländern zu leben.

Ich wünsche Israel, dass sich das erfüllt, was auf einem der Wandteppiche der Chagall-Halle in der Knesset dargestellt wird: Ein harmonisches und friedliches Leben mit allen Völkern.

 

von Gisela